Dora Diamant
Dora Diamant, 1928

Dora Diamant (jiddisch: Dymant) wurde am 4. März 1898 in Pabianice nahe Lódz (Polen) geboren. Ihr Vater war Hersch Aron Dymant (geb. 1874), ein gelehrter Anhänger des Chassidismus; ihre Mutter Friedel (geb. 1873) starb bereits, als Dora etwa acht Jahre alt war.

Nach dem Tod der Mutter übersiedelte die Familie ins schlesische Bedzin nahe der Grenze zu Deutschland, wo Hersch Aron mit einem Textilunternehmen zu Wohlstand gelangte. Dora besuchte eine polnische Schule und schloss sich nach Beginn des Weltkriegs einer zionistischen Vereinigung an, die sich vor allem der Vermittlung und Belebung der hebräischen Sprache widmete. Hier nahm sie auch an Theateraufführungen teil, gegen den Widerstand des orthodoxen Vaters. Nach kurzer Ausbildung als Kindergärtnerin in Krakau trennte sich Dora von ihrer Familie und übersiedelte 1919 nach Breslau, ein Jahr später nach Berlin.

Dora Diamant lernte Kafka im Juli 1923 im Ostseebad Müritz kennen, wo sie als Betreuerin der Ferienkolonie des Berliner Jüdischen Volksheims arbeitete. Von Ende September 1923 bis März 1924 lebte sie mit ihm unter finanziell schwierigen Bedingungen in drei verschiedenen Wohnungen in Berlin. Im April begleitete sie Kafka, der inzwischen unter Kehlkopftuberkulose litt, zunächst nach Prag, dann nach Wien. Auch während seiner letzten Wochen in einem Sanatorium in Kierling betreute sie ihn, gemeinsam mit Robert Klopstock.

Nach Kafkas Tod lebte Dora Diamant zunächst wieder in Berlin. Ab Ende 1926 nahm sie Unterricht am Schauspielhaus Düsseldorf, von 1927 bis 1930 trat sie in verschiedenen Produktionen auf, unter anderem in Düsseldorf, Neuss und Gladbach. 1930 kehrte sie abermals nach Berlin zurück, trat in die KPD ein und schloss sich einer Agitprop-Gruppe an. 1932 heiratete sie den Ökonomen und KPD-Funktionär Lutz Lask (1903–1973), im März 1934 wurde ihre Tochter Marianne geboren.

Nach einigen Monaten Gestapo-Haft floh Lask in die UdSSR, Dora folgte ihm 1936. Nachdem ihr Ehemann in Moskau wiederum verhaftet und nach Sibirien deportiert worden war, gelang es Dora 1938, ins westliche Ausland zu entkommen. 1940 erreichte sie England und wurde zunächst auf der Isle of Man interniert. Sie lebte in London von 1942 bis zu ihrem Tod am 15. August 1952. Ihr Ehemann, zu dem jede Verbindung abgerissen war, wurde erst ein Jahr später aus russischer Haft entlassen.



Foto: Kathi Diamant