Auch Kafkas Briefe an Grete Bloch gesichert 

Eine Stiftung des vormaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking hat 28 Briefe Kafkas an Grete Bloch erworben (Kaufpreis: 260.000 Euro). Bloch war eine Freundin von Kafkas Verlobter Felice Bauer und nahm auf die Beziehung des Paars zeitweilig erheblichen Einfluss. Die Briefe wurden als Dauerleihgabe dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach überlassen, wo sie nun bis zum 29. Januar 2012 zu sehen sind.


Prag: Alchimistengasse wieder eröffnet 
Die Alchimistengasse auf dem Prager Hradschin, in der Kafka 1916/17 ein Häuschen zum Schreiben nutzte, wurde am 1. Juni 2011 nach mehr als einjährigen Sanierungsarbeiten wieder eröffnet. Für den Einlass in die Gasse wird nun eine Gebühr von mindestens 10 Euro verlangt.

Versteigerung von Kafkas Briefen an Ottla ist abgewendet 

Die insgesamt 111 überlieferten Briefe, Karten und Ansichtskarten Kafkas an seine Schwester Ottla wurden vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach und von der Oxforder Bodleian Library gemeinsam erworben. Die geplante Versteigerung der Briefe, die möglicherweise zu einer Zersplitterung des Konvoluts geführt hätte, ist damit abgewendet. Aufbewahrungsort der Briefe wird Marbach sein, wo sie vom 1. Juni bis 10. September 2011 ausgestellt werden. (Weitere Einzelheiten im Kommentar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.)


Kafkas Handschrift als Font 
Nach der Typografin Julia Sysmäläinen hat nun auch die Designerin Julia Bausenhardt eine digitale Schrifttype nach dem Muster von Kafkas Handschrift entworfen. Der Font mit fast 600 Zeichen enthält auch zahlreiche Ligaturen, die das Schriftbild sehr authentisch aussehen lassen. Erhältlich ist die Schrift über die Plattform MyFonts.

Prager Polizeiakten online 
Erneut ist die Erforschung des biografischen Umfelds von Kafka etwas einfacher geworden. Das Prager Staatsarchiv hat sämtliche Meldebögen der Prager Polizei aus den Jahren 1850-1914 digitalisiert und online verfügbar gemacht. Verzeichnet sind Name, Geburtsjahr, Geburtsort, die Namen und Geburtsjahre der Kinder, Beruf des Familienvorstands, die Konskriptionsnummern aller Wohnungen (aus denen sich die Adressen erschließen lassen) sowie die Daten der Umzüge.

Israelische Nationalbibliothek fordert Manuskript des Process 

Schmuel Har Noy, Direktor der israelischen Nationalbibliothek in Jerusalem, fordert vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach die Herausgabe des Manuskripts von Kafkas Roman Der Process. Das Literaturarchiv hat die Handschrift im Jahr 1988 für ca. 2 Millionen US-Dollar von Esther Hoffe erworben, der Erbin Max Brods. Dieser Verkauf sei illegal gewesen, argumentiert Har Noy. Denn Hoffe habe damit nicht nur gegen den testamentarischen Willen Brods verstoßen, sondern auch gegen ein israelisches Gesetz, wonach kulturell wertvolle Manuskripte nicht außer Landes gebracht werden dürfen. – Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs, widerspricht dieser Rechtsauffassung (Interview mit dem Deutschlandradio).


Prag: Literaturhaus deutschsprachiger Autoren eröffnet 
Im Mai 2009 wurde in Prag das Literaturhaus deutschsprachiger Autoren eröffnet (Ječná 11, Prag 2). Das Haus bietet einen Veranstaltungs- und einen Ausstellungsraum; eine Bibliothek deutschböhmischer und -mährischer Autoren befindet sich noch im Aufbau. Ab Frühjahr 2010 soll eine Dauerausstellung zur deutschsprachigen Prager Literaturszene gezeigt werden. (Bericht in der Prager Zeitung)

Müritz: Früheres Jüdisches Kinderheim abgerissen 

Das Gebäude des früheren Jüdischen Kinderheims in Graal-Müritz (Ostsee), in dem Kafka 1923 seine letzte Gefährtin Dora Diamant kennenlernte, wurde im Oktober 2007 abgerissen (das Foto zeigt den Zustand wenige Wochen vor Abbruch). Da auch die nahegelegene Pension Glückauf, von deren Balkon Kafka das Kinderheim sehen konnte, bereits vor Jahren abgerissen wurde, gibt es nun in Müritz keine architektonischen Spuren mehr, die an Kafka erinnern.

Kafka auf Tschechisch 
Werke, Tagebücher und Briefe Kafkas liegen jetzt vollständig in tschechischer Sprache vor: 13 Bände umfasst die im Prager Nakladatelství Franze Kafky [Franz Kafka-Verlag] erschienene Ausgabe, die ausschließlich neue Übersetzungen enthält.