Oxford: Symposion über Kafka im Ersten Weltkrieg 
Das Oxford Kafka Research Centre veranstaltet vom 13. bis 15. Oktober 2010 ein Symposion unter dem Titel ›Kafka, Prague, and the First World War‹. Vorträge in englischer und deutscher Sprache von Thomas Anz, Johannes Birgfeld, Elizabeth Boa, Rajendra Chitnis, Mark Cornwall, Bill Dodd, Carolyn Duttlinger, Manfred Engel, Andreas Kilcher, Katrin Kohl, Marek Nekula, Gerhard Neumann, Claire Nolte, Ritchie Robertson, Reiner Stach, Benno Wagner und Peter Zusi.

Prag: Alchimistengasse wird gesperrt 
Die Alchimistengasse auf dem Prager Hradschin, in der Kafka 1916/17 ein Häuschen zum Schreiben nutzte, wird ab Ende April 2010 für etwa ein Jahr gesperrt. Die touristische Attraktion wird saniert und umgestaltet, Souvenirläden sollen durch historische Präsentationen ersetzt werden.

Israelische Nationalbibliothek fordert Manuskript des Process 

Schmuel Har Noy, Direktor der israelischen Nationalbibliothek in Jerusalem, fordert vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach die Herausgabe des Manuskripts von Kafkas Roman Der Process. Das Literaturarchiv hat die Handschrift im Jahr 1988 für ca. 2 Millionen US-Dollar von Esther Hoffe erworben, der Erbin Max Brods. Dieser Verkauf sei illegal gewesen, argumentiert Har Noy. Denn Hoffe habe damit nicht nur gegen den testamentarischen Willen Brods verstoßen, sondern auch gegen ein israelisches Gesetz, wonach kulturell wertvolle Manuskripte nicht außer Landes gebracht werden dürfen. – Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs, widerspricht dieser Rechtsauffassung (Interview mit dem Deutschlandradio).


Prag: Literaturhaus deutschsprachiger Autoren eröffnet 
Im Mai 2009 wurde in Prag das Literaturhaus deutschsprachiger Autoren eröffnet (Ječná 11, Prag 2). Das Haus bietet einen Veranstaltungs- und einen Ausstellungsraum; eine Bibliothek deutschböhmischer und -mährischer Autoren befindet sich noch im Aufbau. Ab Frühjahr 2010 soll eine Dauerausstellung zur deutschsprachigen Prager Literaturszene gezeigt werden. (Bericht in der Prager Zeitung)

Jan Jindras Kafka-Fotos als Buch erschienen 
Das Projekt des Prager Fotografen Jan Jindra und der Publizistin Judita Matyášová, die sämtliche Aufenthaltsorte Kafkas dokumentierten und die Ergebnisse auch schon in zahlreichen Ausstellungen präsentierten, ist im Mai 2009 im tschechischen Verlag Academia als Buch erschienen. Deutsche und englische Ausgaben sind in Vorbereitung.

Kafkas Handschrift als Font 
Die finnische Typografin Julia Sysmäläinen hat eine Schrifttype nach dem Muster von Kafkas Handschrift entworfen. Der Font ›Mister K‹ enthält auch zahlreiche Ligaturen, die das Schriftbild sehr authentisch aussehen lassen. Auf der entsprechenden Seite des Versandhändlers FontShop kann man online eigenen Text eingeben, der dann in der Schrifttype ›Mister K‹ angezeigt wird.

Kafka-Forschungszentrum in Oxford gegründet 
Auf Initiative der Literaturwissenschaftler Manfred Engel und Ritchie Robertson wurde 2008 das ›Oxford Kafka Research Centre‹ gegründet. Geplant sind regelmäßige internationale Konferenzen und Workshops. – Ein großer Teil von Kafkas Nachlass wird in der Oxforder Bodleian Library verwahrt.

Müritz: Früheres Jüdisches Kinderheim abgerissen 

Das Gebäude des früheren Jüdischen Kinderheims in Graal-Müritz (Ostsee), in dem Kafka 1923 seine letzte Gefährtin Dora Diamant kennenlernte, wurde im Oktober 2007 abgerissen (das Foto zeigt den Zustand wenige Wochen vor Abbruch). Da auch die nahegelegene Pension Glückauf, von deren Balkon Kafka das Kinderheim sehen konnte, bereits vor Jahren abgerissen wurde, gibt es nun in Müritz keine architektonischen Spuren mehr, die an Kafka erinnern.

Kafka auf Tschechisch 
Werke, Tagebücher und Briefe Kafkas liegen jetzt vollständig in tschechischer Sprache vor: 13 Bände umfasst die im Prager Nakladatelství Franze Kafky [Franz Kafka-Verlag] erschienene Ausgabe, die ausschließlich neue Übersetzungen enthält.

Ilse Ester Hoffe gestorben 
In Tel Aviv starb am 2. September 2007 im Alter von 101 Jahren Ilse Ester Hoffe, die langjährige Mitarbeiterin, dann Erbin und Nachlassverwalterin Max Brods.