Eine realistische Chance besteht allenfalls für das letzte Lebensjahr Kafkas: Etwa zwanzig Notizbücher aus dieser Zeit gingen verloren, als im Jahr 1933 die Wohnung Dora Diamants, der letzten Freundin Kafkas, von der Gestapo durchsucht wurde.
Es hat seither mehrere Versuche gegeben, die beschlagnahmten Papiere wieder aufzufinden, bisher jedoch ohne Erfolg. Auch das von der amerikanischen Publizistin Kathi Diamant ins Leben gerufene Kafka Project, das sich ganz der Suche nach den verschollenen Werken widmet, hat noch keine Funde vorzuweisen. Immerhin führte ihre Arbeit zu dem vorläufigen Ergebnis, dass sich die Papiere, falls sie noch existieren, mit hoher Wahrscheinlichkeit im polnischen Nationalarchiv in Warschau befinden. Eine gezielte Suche in diesem Archiv ist derzeit jedoch unmöglich, da sich Polen und Deutschland über die wechselseitige Rückgabe von Dokumenten, die während des Zweiten Weltkriegs abtransportiert oder ausgelagert wurden, nicht einigen können.
Seine frühesten, sehr umfangreichen literarischen Versuche hat Kafka wohl zum größten Teil selbst vernichtet. Die Chance, dass unter seinen Jugendfreunden solche Manuskriptblätter kursierten und dass einige dieser Blätter bis heute unbeachtet überdauert haben, ist minimal.



