Oskar Baum

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© Archiv Klaus Wagenbach

Oskar Baum wurde am 21. Januar 1883 als Sohn eines jüdischen Tuchwarenhändlers in Pilsen geboren. Von Geburt an litt er unter einem sehschwachen Auge, das später fast völlig erblindete; im Alter von elf Jahren trug Baum bei einer Rauferei eine irreversible Verletzung auch des zweiten Auges davon. Er musste das Gymnasium in Pilsen verlassen und wurde nach Wien in die jüdische Blindenanstalt ›Hohe Warte‹ geschickt. Nach absolvierter Lehramtsprüfung verließ er 1902 die Anstalt als Lehrer für Klavier und Orgelspiel und zog nach Prag. Hier arbeitete er zunächst als Organist in einer Synagoge, dann als Klavierlehrer.

Als Schriftsteller trat er ab 1908 mit Erzählungen und Romanen an die Öffentlichkeit; zu seinen bekanntesten Werken zählen Uferdasein. Abenteuer und Erzählungen aus dem Blindenleben von heute (Berlin 1908), Das Leben im Dunkeln (Stuttgart 1909) und Die Tür ins Unmögliche (München/Leipzig 1919).

Mit Kafka wurde Baum im Herbst 1904 durch Max Brod bekanntgemacht; aus der Begegnung entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Nach Baums Heirat mit Margarete Schnabel (geb. 1874) im Dezember 1907 wurde die Wohnung des Ehepaares zum regelmäßigen Treffpunkt der Freunde Brod, Kafka und Weltsch, bei denen aus selbst verfassten literarischen Texten vorgelesen wurde.

Ab 1922 war Baum fest angestellter Musikkritiker der regierungsnahen deutschsprachigen Tageszeitung Prager Presse; aus dieser Position wurde er im Dezember 1938 im Vorfeld der deutschen Okkupation entlassen. Bemühungen, ihm die Ausreise nach Palästina zu ermöglichen, scheiterten an bürokratischen Hürden. Baum starb am 1. März 1941 im Prager jüdischen Krankenhaus an den Folgen einer Darmoperation; seine Frau Margarete wurde bald darauf deportiert und kam in Theresienstadt um. Der einzige Sohn Leo (geb. 1909) starb am 22. Juli 1946 beim Bombenanschlag einer jüdischen Terrorgruppe auf das King David Hotel in Jerusalem.